Eine soziale Skulptur im öffentlichen Raum, die abstrakte Big-Data-Prozesse in Bewegung, Linien, umbenannte Orte und öffentliche Diskussionen übersetzt.
Freiheit 2.0 wurde 2016 in Weil am Rhein, Basel/Riehen und Huningue sowie 2018 in Stuttgart realisiert. Das Projekt fragt, was Big Data mit Freiheit zu tun hat und wie sich digitale Datensammlungen auf unser analoges Leben, unsere Bewegungen und unser Verständnis von Privatheit auswirken.
Die Arbeit bestand aus vier miteinander verbundenen Elementen: einer frei verfügbaren Selftracking-App mit Projektionen der Bewegungsprofile, der temporären Umfirmierung teilnehmender Geschäfte, einem farbigen Leitsystem im Stadtraum und den BIG-DATA-Kolloquien. Passanten, Geschäftsleute, App-Nutzer und Besucher wurden zu mitgestaltenden Teilen der Installation.
Die digitale Spur wird im Stadtraum sichtbar.
Freiheit 2.0 verknüpft individuelle Bewegung, öffentliche Zeichen, urbane Intervention und Wissenstransfer. Jedes Element funktioniert eigenständig, zusammen bilden sie eine partizipative soziale Skulptur.
Für das Projekt wurde eine frei verfügbare Selftracking-App entwickelt. Sie nutzte die GPS-Funktion des Smartphones und bestimmte regelmäßig die geografische Position der Teilnehmenden. Die anonymisierten und verschlüsselten Daten wurden an einen projekteigenen Server gesendet und zu Bewegungsprofilen verdichtet.
Die Projektionen machten diese Profile im Ausstellungsraum sichtbar. Jede Linie steht für die Bewegung eines Menschen und zeigt, wie aus alltäglichen Wegen verwertbare Daten entstehen.


Teilnehmende Geschäfte wurden für die Projektlaufzeit umbenannt und in ihrem eigenen visuellen Erscheinungsbild neu beschriftet. Aus bestehenden Namen wurden Orte wie Drogerie der Freiheit, Apotheke der Freiheit, Buchhandlung der Freiheit oder Zeitung der Freiheit.
Die Veränderung im Stadtraum erzeugte eine subtile Störung. Wer die neuen Schriftzüge sah, wurde mit der Frage konfrontiert, warum Freiheit öffentlich markiert werden muss und wie unsichtbar ihr Verlust im digitalen Alltag geworden ist.


Ein temporäres Leitsystem aus farbigen Linien führte von den umfirmierten Geschäften durch Straßen und Bürgersteige zu den Orten der Kolloquien. Es übertrug die digitalen Bewegungsprofile der App in eine analoge Form im öffentlichen Raum.
Das Aufbringen der Linien dauerte mehrere Tage und fand teils nachts oder am frühen Morgen statt. Die farbigen Spuren wurden schnell selbst zum Gesprächsthema und machten den unsichtbaren Datenfluss der digitalen Welt körperlich erfahrbar.


Die BIG-DATA-Kolloquien fragten mit eingeladenen Referentinnen und Referenten aus Medientheorie, Informatik, Wirtschaft, Recht, Psychologie und Philosophie nach unserem Verständnis von Freiheit im digitalen Raum.
Die Vorträge und Diskussionen waren nicht Begleitprogramm, sondern Teil der Installation. Sie verbanden künstlerische Erfahrung im Stadtraum mit Wissen, Streit und öffentlicher Reflexion.


Die umfassende Publikation Freiheit 2.0 erweitert das Projekt um Kontext- und Dokumentationsmaterial, viele Abbildungen und Beiträge gehaltener Vorträge. Sie ermöglicht einen tieferen Einstieg in die künstlerische und gesellschaftliche Fragestellung des Projekts.
